Spielsucht: Anzeichen erkennen, Hilfe finden
Laut Glücksspiel-Survey 2025 haben 2,2 % der 18- bis 70-Jährigen in Deutschland eine glücksspielbezogene Störung, weitere 5,5 % spielen riskant. Hilfe ist kostenlos und auf Wunsch anonym, zum Beispiel bei der BIÖG-Telefonberatung unter 0800 1 37 27 00 (montags bis donnerstags 10 bis 22 Uhr, freitags bis sonntags 10 bis 18 Uhr). Eine OASIS-Selbstsperre schließt Sie bei allen legalen Anbietern gleichzeitig aus.
Spielsucht beginnt selten mit einem großen Verlust. Meist wird das Spielen nach und nach wichtiger, die Einsätze steigen, und irgendwann dreht sich ein Teil des Alltags darum, Geld zurückzugewinnen. Diese Seite richtet sich an Menschen, die sich fragen, ob das bei ihnen so ist, und an Angehörige, die sich Sorgen machen. Sie verkauft nichts und verlinkt auf kein Casino.
Wie verbreitet Spielsucht in Deutschland ist
Die verlässlichsten Zahlen liefert der Glücksspiel-Survey, den das Institut für interdisziplinäre Sucht- und Drogenforschung (ISD) in Hamburg und die Universität Bremen alle zwei Jahre durchführen. Für die Ausgabe 2025 wurden von August bis November 2025 insgesamt 12.340 Menschen zwischen 16 und 70 Jahren befragt, telefonisch und online. Glücksspielprobleme wurden bei den 18- bis 70-Jährigen nach den Kriterien des DSM-5 erfasst, des internationalen Diagnosehandbuchs für psychische Störungen.
| Ergebnis des Glücksspiel-Survey 2025 | Anteil |
|---|---|
| Haben in den letzten 12 Monaten um Geld gespielt | 36,4 % |
| Spielen mindestens einmal pro Woche | 11,7 % |
| Riskantes Spielverhalten (1 bis 3 DSM-5-Kriterien) | 5,5 % |
| Glücksspielbezogene Störung (4 oder mehr Kriterien) | 2,2 % |
| davon leicht / mittel / schwer | 0,9 % / 0,6 % / 0,6 % |
| Störung bei Männern / bei Frauen | 3,2 % / 1,1 % |
2,2 % klingt nach wenig. Bei der Größe dieser Altersgruppe steht dahinter aber eine sehr große Zahl von Menschen, und hinter jedem von ihnen Angehörige, Kolleginnen und Freunde, die die Folgen mittragen.
Welche Spiele das höchste Risiko tragen
Der Survey zeigt außerdem, wie hoch der Anteil der Menschen mit einer Störung unter den Spielerinnen und Spielern einzelner Spielformen ist. Die Unterschiede sind groß. Lotto-Spielende tauchen in der Spitzengruppe nicht auf; schnelle Spiele mit sofortigem Ergebnis dagegen schon.
| Spielform (Teilnahme in den letzten 12 Monaten) | Anteil mit glücksspielbezogener Störung |
|---|---|
| Virtuelle Automatenspiele (online) | 32,5 % |
| Glücksspielautomaten in Spielbanken | 28,1 % |
| Live-Sportwetten | 27,0 % |
| Geldspielautomaten (Spielhallen, Gaststätten) | 23,4 % |
Wichtig beim Lesen: Die Zahlen sagen nicht, dass ein Drittel aller Automatenspieler süchtig wird. Sie sagen, dass unter den Menschen, die zuletzt online an Automaten gespielt haben, fast jeder Dritte die Kriterien einer Störung erfüllt. Ein Grund dafür ist die Spielgeschwindigkeit: Ein Automatenspiel dauert Sekunden, Gewinn und Verlust folgen dicht aufeinander, und es gibt kaum natürliche Pausen.
Die neun Anzeichen, nach denen Fachleute fragen
Das DSM-5 beschreibt neun Kriterien für eine glücksspielbezogene Störung. Treffen innerhalb von zwölf Monaten vier oder mehr zu, sprechen Fachleute von einer Störung; bei vier bis fünf von einer leichten, bei sechs bis sieben von einer mittleren und bei acht bis neun von einer schweren. Sinngemäß wiedergegeben:
- Um die gleiche Spannung zu spüren, werden die Einsätze immer höher.
- Beim Versuch, weniger zu spielen oder aufzuhören, entstehen Unruhe oder Gereiztheit.
- Wiederholte Versuche, das Spielen zu kontrollieren oder aufzugeben, scheitern.
- Die Gedanken kreisen häufig ums Spielen: an vergangene Spiele, an das nächste, an Wege, Geld dafür zu beschaffen.
- Gespielt wird oft dann, wenn es einem schlecht geht, etwa bei Stress, Schuldgefühlen oder Niedergeschlagenheit.
- Nach einem Verlust wird bald weitergespielt, um das Geld zurückzugewinnen.
- Das Ausmaß des Spielens wird vor anderen verheimlicht oder heruntergespielt.
- Eine wichtige Beziehung, der Arbeitsplatz oder die Ausbildung werden durch das Spielen gefährdet oder gehen verloren.
- Andere müssen mit Geld aushelfen, weil das Spielen die eigenen Finanzen in eine Notlage gebracht hat.
Die Liste ersetzt keine Diagnose. Sie kann aber helfen, das eigene Verhalten ehrlicher einzuordnen, und sie gibt einem Gespräch mit einer Beratungsstelle eine Richtung.
Wo Sie Hilfe bekommen
Hilfe bei Glücksspielproblemen ist in Deutschland kostenlos, und für den ersten Schritt reicht ein Anruf oder eine Nachricht. Niemand muss dafür "wirklich süchtig" sein; Beratungsstellen sprechen auch mit Menschen, die nur unsicher sind.
| Angebot | Was es ist | Erreichbarkeit |
|---|---|---|
| BIÖG-Telefonberatung zur Glücksspielsucht | Telefonberatung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (früher BZgA), kostenfrei | 0800 1 37 27 00 |
| check-dein-spiel.de | Online-Angebot der BIÖG zum Thema Glücksspiel | rund um die Uhr |
| Suchtberatungsstellen vor Ort | persönliche Beratung, oft auch für Angehörige, meist kostenlos | über Kommune, Caritas, Diakonie oder Landesfachstellen |
| Hausarztpraxis, Psychotherapie | Abklärung, Behandlung, Überweisung in spezialisierte Angebote | regulär über die Krankenversicherung |
| In Österreich: Spielsuchthilfe | kostenfrei, vertraulich, auf Wunsch anonym, österreichweit | 01 544 13 57 |
Die Telefonberatung der BIÖG ist montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr und freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr besetzt. Wer Schulden durch das Spielen hat, sollte zusätzlich eine Schuldnerberatung einbeziehen; je früher, desto mehr Möglichkeiten gibt es.
Sperre und Limits als Werkzeug
Neben Beratung gibt es drei technische Hilfen, die jeder selbst nutzen kann. Die wirksamste ist die Selbstsperre im Sperrsystem OASIS: Sie gilt bei allen in Deutschland erlaubten Anbietern gleichzeitig, von der Spielhalle bis zum Online-Automatenspiel. Die Mindestdauer ist ein Jahr, auf Wunsch aber auch nur drei Monate, und die Sperre endet erst, wenn man sie schriftlich aufheben lässt. Wie das im Einzelnen abläuft, erklären wir auf der Seite OASIS-Sperre aufheben.
- Panik-Button: Jedes erlaubte Online-Angebot muss eine deutlich sichtbare Schaltfläche zeigen, die sofort und ohne Rückfrage eine Sperre für 24 Stunden auslöst.
- Einzahlungslimit: Bei legalen Online-Anbietern gilt ein monatliches Limit über alle Anbieter zusammen, in der Regel höchstens 1.000 Euro. Senken wirkt sofort, erhöhen erst nach sieben Tagen.
- Zahlungswege schließen: Fragen Sie Ihre Bank, ob sie Zahlungen an Glücksspielanbieter für Ihr Konto oder Ihre Karte sperren kann.
Eine Grenze haben alle diese Werkzeuge: Sie wirken nur bei Anbietern mit deutscher Erlaubnis. Anbieter ohne Erlaubnis fragen OASIS nicht ab, kennen kein anbieterübergreifendes Limit und unterliegen keiner deutschen Aufsicht.
Für Angehörige
Angehörige merken oft früher als die Betroffenen, dass etwas nicht stimmt: Geld fehlt, Ausreden häufen sich, die Stimmung schwankt mit Gewinnen und Verlusten. Drei Dinge helfen fast immer. Erstens das Gespräch ohne Vorwurf, mit konkreten Beobachtungen statt Urteilen. Zweitens die eigene Entlastung: Auch Angehörige können sich an Suchtberatungsstellen wenden, unabhängig davon, ob der betroffene Mensch mitkommt. Drittens klare Grenzen beim Geld, zum Beispiel keine Schulden mehr zu übernehmen.
In Deutschland gibt es außerdem die Fremdsperre. Angehörige wie Verwandte oder Lebenspartner können beim Regierungspräsidium Darmstadt beantragen, dass eine Person in OASIS gesperrt wird. Voraussetzung sind Erkenntnisse, dass die Person spielsuchtgefährdet oder überschuldet ist, ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommt oder Einsätze riskiert, die in keinem Verhältnis zu Einkommen oder Vermögen stehen. Die betroffene Person wird vorher angehört, und eine Fremdsperre gilt mindestens ein Jahr.
Häufige Fragen
Ab wann ist man spielsüchtig?
Wie viele Menschen in Deutschland sind spielsüchtig?
Kostet die Beratung bei Spielsucht etwas?
Kann ich einen Angehörigen sperren lassen?
Was bewirkt eine OASIS-Selbstsperre?
Was ist der Panik-Button?
Informationen geprüft am 23. September 2026 (Glücksspiel-Survey 2025, BIÖG, Regierungspräsidium Darmstadt, GGL). Diese Seite ersetzt keine medizinische oder psychologische Beratung. In akuten Krisen erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 und den Notruf unter 112.